Bezahlbarer Wohnraum stärkt Wil: Fakten zur Initiative «Wil will wohnen»

In der aktuellen Debatte zur Initiative «Wil will wohnen» nehmen Falschinformationen und Polemik bedauerlicherweise viel Raum ein. Sowohl die Erfahrungen anderer Gemeinden als auch Studien und Statistiken zeigen jedoch, dass sich die Förderung von bezahlbarem Wohnraum lohnt – für die Gemeinde, für die Gesellschaft und für die Mietenden.

Fakten zum gemeinnützigen Wohnbau

Wenn 10% der Wohnungen in Wil im Eigentum von gemeinnützigen Wohnbauträgern wären, bliebe immer noch die Mehrheit der Wohnungen zur profitorientierten Vermietung. Der gemeinnützige Wohnbau besetzt damit auch in Zukunft nur eine kleine Nische im Markt – als dritter Weg neben selbstgenutztem Wohneigentum und dem üblichen Mietwohnungsverhältnis.

Gemeinnützige Bauträger füllen aber eine wichtige Lücke: Sie entziehen Wohnraum und Boden der Spekulation und sorgen so langfristig für bezahlbaren Wohnraum. In Gemeinden wie Wil sind gemeinnützige Wohnungen im Schnitt 14% günstiger – Miethaushalte sparen so rund 2’200 Franken im Jahr1. Das ermöglicht lebendige Quartiere, eine gute soziale Durchmischung und eine gesunde Stadtentwicklung2.

Laut Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) ist es entscheidend, dass Städte und Gemeinden eine aktive Rolle auf dem Wohnungsmarkt einnehmen3. Dazu stehen ihnen vielfältige Förderinstrumente zur Verfügung, die in vielen Gemeinden seit Jahren eingesetzt werden und sich in der Praxis bewährt haben. In Wil besonders erfolgsversprechend ist gemäss Expertenbericht die Abgabe von kommunalem Land im Baurecht, gezielte Vorgaben in der Nutzungsplanung in Verbindung mit Anreizen sowie der Erwerb von Bauland und bestehenden Liegenschaften4.

Die Befürchtung, dass solche Förderinstrumente negative Auswirkungen auf die Investitionen in den Wohnbau haben könnten, ist unbegründet. Gemäss einer Studie des führenden Beratungsunternehmens im Immobilienbereich5 hat die Förderung des gemeinnützigen Wohnbaus keinerlei negative Auswirkungen auf das Wohnungsangebot oder auf die Investitionen in den Wohnungsmarkt. Sie resultiert aber in jedem Fall in günstigeren Mieten und je nach Ausgestaltung auch in einem Wachstum des Wohnungsangebots.

Die Förderung von gemeinnützigem Wohnbau ist nicht nur eine nachhaltige Investition in eine gesunde Stadtentwicklung, sondern kann sich für die Stadt sogar finanziell lohnen. Finanzierungshilfen, wie zinsgünstige Darlehen oder Bürgschaften, oder planerische Instrumente verursachen in der Regel keine grossen Kosten2. Langfristig stärkt eine aktive Bodenpolitik sogar die städtischen Finanzen, denn bei der Abgabe von kommunalem Land im Baurecht profitiert die Stadt nicht nur von der zukünftigen Wertsteigerung des Bodens, sondern generiert dank Baurechtszinsen wiederkehrende Einnahmen.

Realistisches Ziel: 10% bis 2050

Langfristige Ziele ermöglichen eine nachhaltige Politik – über Wahlen und Legislaturperioden hinweg. Für die Umsetzung der Initiative kann die Stadt auf zahlreiche bewährte Instrumente zurückgreifen und es bleiben fast 25 Jahre Zeit, um den Zielwert zu erreichen.

Die Gemeinde Küsnacht (ZH) machte die Erfahrung, dass ein konkreter Zielanteil ein zentraler Erfolgsfaktor ist3: Der bürgerliche Gemeinderat von Küsnacht setzte sich freiwillig zum Ziel, bezahlbaren Wohnraum für 15% der Bevölkerung zu schaffen – und erreichte dies noch vor Ende der Legislatur.

Aktuelle Daten der Stadt zeigen: Es steht viel Bauland zur Verfügung, welches potenziell zur Zielerreichung beitragen könnte6. Allein das bereits erschlossene, aber ungenutzte Land im Eigentum der Gemeinde (ca. 100’000 m2) würde den Bau von über 1’000 gemeinnütziger Wohnungen ermöglichen. Das entspräche weniger als der Hälfte des Neubaus der vergangenen 25 Jahre – profitorientierter Wohnbau bliebe also weiterhin möglich.
Selbstverständlich soll dieses Land auch noch andere wichtige gesellschaftliche Zwecke erfüllen (z.B. Schulraum, Werkhof o.ä.) und kann nicht ausschliesslich dem Wohnungsbau dienen. Das grösste Potenzial liegt aber auch nicht in Neubauten, sondern im Gebäudebestand. Durch den gezielten Erwerb bestehender Wohnliegenschaften können diese dauerhaft der Spekulation entzogen und so bezahlbarer Wohnraum geschaffen und erhalten werden. Die Stadt kann gemeinnützige Organisation hierbei mit zinsgünstigen Darlehen, Beratung und Vermittlung unterstützen.

Wohnraum ist eine zentrale Standortfrage, deshalb braucht es eine Stadtentwicklung mit Weitsicht.
Mit einem JA zu «Wil will wohnen» setzen wir uns ein realistisches Ziel und sichern damit eine bedarfsgerechte Wohnraumversorgung – damit Wohnen in Wil bezahlbar bleibt!

Komitee Wil will wohnen

  1. Bundesamt für Wohnungswesen BWO (2024). Statistik des gemeinnützigen Wohnungsbaus 2024. ↩︎
  2. Wohnbaugenossenschaften Schweiz, WOHNEN SCHWEIZ (2018). Der gemeinnützige Wohnungsbau in der Schweiz: Ein Gewinn für die ganze Gesellschaft. ↩︎
  3. Bundesamt für Wohnungswesen BWO (2025). Preisgünstiger Wohnraum – Ein Baukasten für Städte und Gemeinden. ↩︎
  4. EBP Schweiz AG (2018). Studie zum Postulat «Für mehr bezahlbare Wohnungen» in Wil. ↩︎
  5. Wüest Partner AG (2024). Wirkung wohnungspolitischer Massnahmen. Auftragsstudie für die Volkswirtschaftsdirektion und die Baudirektion des Kantons Zürich. ↩︎
  6. Departement Bau, Umwelt & Verkehr, Stadt Wil (2026). Flächenpotenzialanalyse Raum+ 2025. ↩︎

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